Steuerberater und Business Coach – zwei Tätigkeitsgebiete mit Überschneidungen?

Diesen Beitrag verfasse ich in eigener Sache und aus meiner eigenen Berufsbiografie heraus. Vielleicht kann ich damit auch den einen oder anderen ermutigen, über seinen beruflichen Tellerrand hinauszuschauen und etwas vermeintlich „ganz anderes“ mit seiner bisherigen Berufserfahrung zu verbinden.

Rein inhaltlich beschäftigen sich meine beiden Berufe mit völlig unterschiedlicher Materie. Der Steuerberater muss sich mit vielen Gesetzen und ihren laufenden Änderungen auseinandersetzen. Außerdem bildet und zerlegt er Zahlenkonstrukte bzw. führt sie unter neuen Gesichtspunkten mehr oder weniger sinnvoll zu neuen Gebilden zusammen. Das nennt sich dann Rechnungswesen und betriebswirtschaftliche Beratung. Der Coach dagegen beschäftigt sich hauptsächlich mit Psychologie in Theorie und Praxis. Er versucht zu verstehen, wie der Mensch so tickt und wie man ihm aus seinen Lebenssackgassen am besten wieder heraushelfen kann. Ein Business Coach ist dabei vor allem mit beruflichen Themen konfrontiert und kümmert sich sowohl um Einzelpersonen als auch um Teams.

Und schon können wir eine Überschneidung entdecken: Auch der Steuerberater hat es nicht nur mit trockener Materie zu tun, sondern in erster Linie mit Menschen, denen er durch den Dschungel der Gesetze und Regelungen hindurchhelfen muss. Dafür sind ein paar psychologische Skills mitunter äußerst nützlich, um nicht zu sagen dringend erforderlich.

Die Beratungssituation ist allerdings eine gänzlich andere als beim Coaching. Der Steuerberater hat den Auftrag, tatsächlich einen guten Rat zu erteilen. Er muss es besser wissen als sein Mandant und ihm seinen Wissensvorsprung zur Verfügung stellen. Man könnte sagen, dass der Steuerberater in seinem Spezialgebiet ein wenig „von oben herab“ mit seinem Mandanten redet. Das tut der Coach nun genau nicht. Coaching geht davon aus, dass der Klient selbst der Experte für sein Leben und demnach auch für den Ausweg aus seiner Sackgasse ist. Der Coach unterstützt den Klienten dabei, diesen Weg zu finden und zu gehen. Der Coach ist nicht der „Besser-Wisser“, der einen guten Rat gibt, sondern er hilft dem Klienten durch gezielte Fragen und andere Interventionen, eigene Stärken, Ressourcen und Lösungswege zu entdecken und zu nutzen.

Wir können also festhalten: Steuerberatung und Coaching überschneiden sich darin, dass beide Tätigkeiten darauf ausgerichtet sind, dem Kunden das Leben leichter zu machen. Beide Tätigkeiten leben vom zwischenmenschlichen Kontakt und einer vertrauensvollen Berater-Kunden-Beziehung. Der große Unterschied liegt in der hierarchischen Ebene, auf der die Beratung stattfindet. Der Steuerberater muss als Experte auftreten und Rat erteilen. Der Coach muss eine Beziehung auf Augenhöhe herstellen und pflegen, damit sein Klient tatsächlich seine eigene Lösung finden kann. Hier gibt es kein objektives Richtig oder Falsch, sondern nur das, was für den Klienten in der aktuellen Situation passend ist.

Für mich war es im Rahmen meiner Ausbildung zum Coach wichtig, diesen grundlegenden Unterschied zu erkennen und für das Coaching ganz bewusst eine völlig andere Haltung gegenüber meinem Klienten zu entwickeln. Beurteilen Sie selbst, ob mir das gelingt! Ich freue mich auf Ihr Feedback nach einer gemeinsamen Coaching-Einheit.

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